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Infos
Graffiti sind Kunst
"Sie erwarten von mir, daß ich Ihnen sage, daß ich Ihnen definiere: Was ist
Kunst? Wenn ich es wüßte, würde ich es für mich behalten." (Pablo Picasso)
Graffiti sind eine künstlerische Ausdrucksmöglichkeit, die nach dem heutigen
Stand der Forschung bis in die Steinzeit zurückverfolgt werden kann.
Bereits unsere Vorfahren, die "Höhlenmenschen", haben ihren Alltag in
Jagdszenen udgl. auf Wänden für die Nachwelt verewigt. Besonders bekannte
Beispiele hierfür sind etwa:
Felsritzungen im Tal von Côa (Portugal) - (1998 - Weltkulturerbe / UNESCO)
Tassili n'Ajjer (Algerien) - (1982 - Weltkulturerbe / UNESCO)
Levanzos (Italien) "Grotta del Genovese" (10. Jahrtausend v. Chr.)
Anhand dieser Beispiele zeigt sich, dass Graffiti seit Menschengedenken
existieren, aber erst in den letzten Jahrzehnten gelangten sie als Bestandteil
der Hip-Hop-Kultur zur Massenverbreitung und wurden so zum Fixpunkt der
Jugendkultur.
Heute sind Graffitischriftzüge und -bilder aus dem Stadtbild nicht mehr
wegzudenken. Um die einzelnen Kunstwerke, die Weiterentwicklung und die
einzelne Strömungen erfassen, erforschen und analysieren zu können, wurde
1978 das Wiener Graffiti Archiv und in weiterer Folge 1996 das Institut für
Graffitiforschung gegründet. Die Graffitikunst ist eine international anerkannte
Kunstrichtung und zählt - wie etwa das Aufbringen von Aufklebern und
Straßenmalerei - zur so genannten "Streetart".
"Der Begriff Street-Art umfasst alle Formen der kostenlosen (offiziellen und
inoffiziellen) künstlerischer Produktion und Präsentation im öffentlichen
Raum." (http://www.graffitieuropa.org/definition.htm)
Die Graffitikunst ist im Laufe der Zeit - auf Grund ihrer großen Akzeptanz bei
Jugendlichen und dem damit verbundenen Werbewert - auch für Firmen
interessant und nutzbar geworden, wie dies einige Beispiel auf der Homepage
der Wiener Graffiti Union illustrieren: "Im kommerziellen Bereich gab es
Kooperationen mit Microsoft, Bank Austria, Raiffeisenkassa, Brother
International, Arthur D Little, Wiener Linien, Österreichisches Verkehrsbüro,
Porsche etc. (besonders hervorzuheben ist vielleicht die Gestaltung des
Innenhofs und des Sozialbereichs der Justizanstalt Jakomini, Graz, die zwei
unserer Künstler während ihrer Untersuchungshaft in Auftrag bekamen) aber
auch mit kleinen Unternehmen und Privaten."
Graffiti sind Kunst! Dies steht heute nicht nur für ihre große internationale
Anhängerschaft außer Frage. Als der wohl bunteste Bestandteil der
Gegenwartskunst und ihrer großen Bedeutung für die Jugendkultur, verdienen
sie unsere besondere Aufmerksamkeit und Förderung.
Ein großartiges Beispiel für die Förderung der Graffitikunst hat die Stadt Berlin
2000 gesetzt, als sie die bekannten Graffiti der Berliner Mauer - oder wie
Kenner meinen der größten Graffitiwand der Welt - wegen ihrer
herausstechenden historischen und künstlerischen Bedeutung restaurieren ließ.
Heute sind die Kunstwerke jeder / jedem frei zugänglich und aus dem Berliner
Stadtbild, ebenso wie der "Alex", nicht mehr wegzudenken.
Warum besteht gerade bei Jugendlichen ein Interesse an der Graffitikunst?
"Wir brauchen die Herausforderung der jungen Generation, sonst würden
uns die Füße einschlafen." (Willy Brandt, ehm. dt. Bundeskanzler)
Die Frage, warum gerade die Graffitikunst so reizvoll für die Jugend ist, ist
ebenso schwer zu beantworten, wie die seit Generationen bekannten Fragen,
die sich immer wieder mit den offensichtlichen Erscheinungsformen der
Jugendkultur - seien dies Kleidung, Sprachjargon, Musik etc. - beschäftigen.
Die wohl auffallendste Übereinstimmung, die bei jeder Generation beobachtet
werden kann, ist das Auflehnen und Rebellieren gegen die Elterngeneration
und gegen das "Establishment".
Es ist das Vorrecht der Jugend zu provozieren und sich gegen bestehende
Regeln aufzulehnen. Markante Beispiele stellen hier die Beat-Musik, die
sexuelle Aufklärung aber auch die pazifistische Bewegung der StundentInnen
Ende der 1960-er Jahre dar.
Wir sehen die Graffitikunst als die herausstechendste Ausdrucksform der
Jugend an, ihre Kreativität außerhalb der bestehenden und etablierten
Kunsthäuser einer breiten Masse präsentieren zu können. Welcher andere, als
der öffentliche und frei zugängliche Ort eignet sich dazu wohl besser?
Gleichzeitig dient die Graffitikunst dem kreativen Austausch und der Reflexion
der aktuellen politischen, gesellschaftlichen und sozialen Lage. Graffiti sind
das farblich gewordene Sprachrohr, das es der jungen Generation ermöglicht,
sich außerhalb des "mainstreams" Gehör zu verschaffen.
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